Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Nervensystem

Das Nervensystem ist ein System bestehend aus vielen Millionen Nervenzellen und anderen Zellen.

Dabei bilden diese Nervenzellen ein neuronales Netzwerk das die neuronale Funktion leistet.

Das Nervensystem stellt also als Organ eine biologische Funktionseinheit dar, die diverse Funktionen im Organismus leistet.

Dabei kann das Nervensystem in der Biologie und hier insbesondere in der Physiologie unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet und in unterschiedliche Funktionseinheiten gegliedert werden.

So kann das Nervensystem in das zentrale Nervensystem (bestehend aus dem Gehirn und dem Rückenmark) und in das periphere Nervensystem gegliedert werden.

Oder man kann das Nervensystem unter anderen Gesichtspunkten betrachten und gliedern: etwa in das Vegetative Nervensystem gegenüber dem nicht-vegetativen Nervensystem das dem Willen bzw. der willkürlichen Motorik unterliegt.

Oder man kann das Nervensystem in das motorische System, in das sensible System, in das System das für das Sehen, in das System das für das Hören, in das System das für das Schmecken, in das System das für das Riechen zuständig ist und kann diese Funktionseinheiten jeweils gegenüber den anderen Funktionseinheiten bzw. Funktionsbereichen gliedern.

Ferner kann man in Bezug auf die Funktion des Nervensystems die neurologische Funktion von der psychischen Funktion unterscheiden.

Immer handelt es sich bei einer solchen Funktionseinheit um eine mental abgegrenzte Einheit, die mit einem mehr oder weniger scharf abgegrenzten anatomischen Areal korrespondiert.

Es korrespondiert also eine solche Funktionseinheit im Nervensystem mit einem gewissen anatomischen Areal / anatomischen Bereich wie dieser in der Anatomie bzw. in der Physiologie / Neurophysiologie auf Grund der klinischen Erfahrung somit empirisch begründet  erkannt und beschrieben worden ist.

Es ist eine solche Funktionseinheit also eine Natureinheit, von der man sich als Arzt bzw. als Wissenschaftler vorstellt und damit denkt, dass es tatsächlich diesen Bereich als scharf „abgegrenzte Funktionseinheit“ gibt.

Dabei handelt es sich bei einer solchen biologischen Einheit im Organismus um eine Einheit, die man genau genommen nicht scharf abgrenzen kann, weil die Nervenzellen immer im Verbund mit anderen Nervenzellen funktionieren.

Zur Entwicklung des Nervensystems:

Das Nervensystem ist ein Funktions – System das sich im Rahmen der Vermehrung und Differenzierung der Zellen aus der befruchteten Eizelle entwickelt hat. Es ist das Nervensystem also ein funktionierendes System aus Nervenzellen und anderen Zellen das sich im Organismus im Lauf der Embryogenese und weiter in der Gebärmutter (intrauterin) und dann nach der Geburt post partum bzw. post partal entwickelt hat. (Weiteres dazu-> WikiBeitrag und auf den You Tube Kurzfilmen in denen schematisch der Aufbau und die Funktion des Nervensystems vereinfacht dargestellt wird: Film 1 usf.)

Weil die Nervenzellen Nervenzellfortsätze (Dentriten und ein Axon) ausbilden und über diese Fortsätze miteinander in Verbindung treten, entsteht ein Nervenzellgeflecht – man kann auch sagen ein Netzwerk – das insgesamt das Nervensystem als funktionierende biologische Einheit bildet.

Grundsätzlich handelt es sich beim Nervensystem also um ein biologisches System.

(Weiteres zur Entwicklung des Nervensystems in diesem Beitrag.)

Das Nervenzellgeflecht des Nervensystems kann man also als neuronales Netzwerk bezeichnen.

Dieses neuronale Netzwerk ist in der Lage, auf den Organismus einwirkende Reize aufzunehmen und diese im Sinn der biologischen Datenverarbeitung zu verarbeiten.

Es entsteht also durch die Nervenzellaktivität in diesem Nervenzellgeflecht die neuronale Funktion, die man durch den Ablauf von neuronalen Mustern charakterisieren kann.

Diese neuronalen Muster bzw. diese neuronalen Funktionsabläufe umfassen also beispielsweise die Aufnahme der optischen Reize, wie sie über das Auge, die Netzhaut in das zentrale Nervensystem gelangen. Oder die akustischen Reize, wie sie über das Trommelfell, die Gehörknöchelchen ins Innenohr, nämlich in die Schnecke mit den Haarzellen gelangen und von dort aus an die zentralen Regionen des Gehirns an die Hörrinde weitergeleitet werden.

Auf diese Art und Weise gelangen Sinnesreize von außen ins Gehirn, wo die Reize zum Teil bewusst erlebt und zum Teil unbewusst, weiter verarbeitet werden.

Dabei wird ein großer Teil der einlangenden Informationen auf den verschiedenen Ebenen ausgefiltert und es gelangt nur ein kleiner Teil bis in die jeweiligen Zentren der Hirnrinde und letztlich auf die Ebene der bewussten Erlebens, somit ins Bewusstsein der Person.

Während ein Teil der Reize von außen kommen, generiert das Nervensystem andererseits auch intern im Nervensystem Nervenzell-Impulse. Diese Nervenzell-Impulse, die zwischen den einzelnen Nervenzellen ausgetauscht werden bezeichnet man als Aktionspotenziale.

Die Gesamtheit dieser neuronalen Aktivität bestimmt dann das was sich im zentralen Nervensystem abspielt und es wird ein Teil davon vom Individuum bewusst erlebt. Der andere Teil wird normalerweise nicht bewusst erlebt, durch die Fokusierung der Aufmerksamkeit kann der Bereich des bewussten Erlebens jedoch erweitert werden, wie man dies aus der eigenen Erfahrung kennt, wenn man sich zum Beispiel auf ein Geräusch, einen optischen Eindruck konzentriert ist. Auf diese Art und Weise entstehen die verschiedenen Phänomene wie sie das Nervensystem hervorbringt.

Manche Phänomene werden in umschriebenen kleineren Bezirken des Nervensystems durch die dortige neuronale Aktivität bewirkt. Andere Phänomene werden durch größere Bezirke durch die Nervenzellaktivität bewirkt. Auf diese Art und Weise entsteht die Wachheit und damit das Bewusstsein als psychisches Phänomen. Es entstehen also die unterschiedlichen Zustände der Psyche als Folge der neuronalen Funktion und damit als Funktion des Nervensystems.

Oder es entsteht das Phänomen des Schlafes. Es entstehen also auf diese Art und Weise die verschiedenen Phänomene wie die körperlichen Empfindungen, das Fühlen mit den verschiedenen Gefühlsqualitäten, das Denken, die motorischen Funktionen, die vegetativen Funktionen wie sie das vegetative Nervensystem hervorbringt, die Sinneswahrnehmungen und andere Phänomene, etwa Schmerzen, Missempfindungen usf.

Demgemäß kann man das Nervensystem unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten und studieren.

Man kann das Nervensystem gemäß seinem Aufbau also gemäß seiner anatomischen Struktur, somit gemäß seiner Morphologie studieren, oder man kann das Nervensystem gemäß seiner Funktion gliedern und studieren, wie sich diese Funktion in verschiedenen Leistungen und Phänomenen manifestiert.

In diesem Wege hat man herausgefunden, dass etwa das Denken und damit die Kognition eine Funktion des Nervensystems ist. Ebenso hat man empirisch begründet erkannt, dass das Fühlen, das Empfinden und somit die Empfindung überhaupt das Erleben eine Leistung des Nervensystems in teils Verbindung mit der Leistung der Sinnesorgane entsteht.

Auf diese Art und Weise werden einerseits durch die hereinkommenden Informationen neue Erlebnisinhalte generiert, und andererseits entstehen in Folge der internen Aktivität Vorstellungen, Bilder, Fantasien, also Inhalte, die nur zum Teil von außen angeregt sind und wesentlich auch in Folge der internen Aktivität entstehen.

Man kann also teils von einer von außen angeregten Aktivität sprechen, und andererseits auch von einer spontanen Aktivität, wie sie im Nervensystem spontan entsteht.

Es können auf diese Art und Weise z.B. positive angenehme Gedanken, Fantasien oder neue Kreationen und auch veränderte Gefühle entstehen, während andererseits auch negative Gedanken und unangenehme Gefühle, wie z.B. Befürchtungen und Ängste entstehen.

Weil Menschen fähig sind Begriffe zu bilden, entstehen auf diese Art und Weise Gedanken und Begriffssequenzen die einen Sinn ergeben. Mit anderen Worten: es entsteht dadurch der mentale Prozess, den man als Psyche bzw. als Erleben bezeichnet, mit all den sinnhaften und weniger sinnhaften Gedanken und Vorstellungen. Auf dieser Grundlage entsteht also einerseits das was man als das Denken bezeichnet und andererseits das was man als das Fühlen um Empfinden bezeichnet. Auf diese Art und Weise besteht also eine Grundstimmung die mehr oder weniger konstant besteht bzw. die durch das Erleben und durch andere Faktoren bedingt verändert wird.

Beim Denken entsteht aus einer Sequenz von Begriffen ein Satz, und aus der Abfolge von mehreren Sätzen entsteht eine ganze Geschichte, wie beispielsweise dieser Beitrag.

Insofern kann man sagen, dass dieser Beitrag der Ausfluss der neuronalen Aktivität im zentralen Nervensystem ist bzw. korrespondiert diese neuronale Aktivität mit einem neuronalen Muster bzw. einer Sequenz von neuronalen Mustern.

So kann man sich erklären, wie der Zusammenhang zwischen „Leib und Seele“ also zwischen dem Körper und der Psyche funktioniert. Auf diese Art und Weise kann man also den Zusammenhang von Leib und Seele erklären. Wenn gleich man das „Leib-Seele-Problem“ im Sinn der Bestimmung der psychischen Funktionen durch die körperlichen Funktionen nicht bestimmen kann.

Auf der einen Seite der Betrachtung findet sich also der Organismus mit dem Nervensystem – und auf der anderen Seite die Seele (Psyche) die als Ergebnis eines Teils der neuronalen Aktivität entsteht und das sich in der Form der verschiedenen psychischen Phänomene und sonstigen Phänomene manifestiert.

(Anmerkung: mit „Seele“ ist hier die Psyche im psychologischen Sinn gemeint und nicht die „Seele“ im religiösen Sinn also nicht im Sinn der Theologie.)

Während die Psychologie hauptsächlich mit den normalen psychischen Funktionen befasst ist, beschäftigt sich die Psychiatrie hauptsächlich mit den abnormen bzw. krankhaften psychischen Funktionen, die man als psychische Störungen bezeichnet.

Die Psychiatrie ist phänomenologisch betrachtet mit den abnormen und krankheitswertigen psychischen Phänomenen den sogenannten psychopathologischen Phänomenen befasst. Und aus der biologischen Sichtweise betrachtet ist die Psychiatrie mit den biologischen Grundlagen der psychischen Funktion befasst, insofern es dabei zu Störungen kommt, welche sich in gestörtem Denken, in gestörtem Fühlen und gestörtem Handeln manifestieren. Es kommt also im Rahmen von psychischen Störungen zu kognitiven Störungen und andererseits auch zu gemütsmäßigen bzw. zu affektiven Störungen die sich in den entsprechenden psychischen Phänomenen manifestieren.

Diese Störungen können also einerseits als Folge von „software“- bedingten gesundheitlichen Problemen entstehen und verstanden werden in diesem Fall werden sie als psychisch bedingt erklärt, oder aber es können solche Störungen auch auf der Grundlage von „hardware“- bedingten Störungen verstanden und erklärt werden und sie werden dann körperlich bedingt erklärt. Sinnigerweise können solche Störungen auch infolge von kombinierten Störungen, also in Folge von erlebnisbedingten Störungen und in Folge von körperlich respektive“organisch“ bedingten bzw.hardware Störungen verstanden und erklärt werden. In diesem Sinn kann man die Kausalität der psychischen Störungen verschieden verstehen und erklären.

In diesem Sinn können mehr oder weniger stark ausgeprägte psychische Störungen durch die verschiedensten Ursachen hervorgerufen werden und in schweren Fällen den Grad einer Psychose erlangen.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist das Nervensystem ein Ganzes. Dieses Ganze ist also eine funktionelle Einheit, die durch eine Idee erkannt wird (vgl. mit Kant Zitat 7). Man denkt sich also dass es eine solche abgegrenzte Einheit gibt, die durch eine systematische Einheit erkannt wird. Diese Einheit leistet die einzelnen Funktionen des Nervensystems. Diese Einheit leistet also das, was man in psychischer Hinsicht als das Bewusstsein, als Denken, als Fühlen, als Gedächtnis usw. bezeichnet und es leistet dieses System bestehend aus vielen Nervenzellen auch die verschiedenen motorischen und sensiblen Funktionen und auch die vegetativen Funktionen. Es wird also durch das Nervensystem z.B. der Wechsel zwischen dem Schlaf und dem Zustand der Bewusstheit im Wachzustand geleistet, ferner erzeugt das zentrale Nervensystem den Appetit, den Hunger, den Durst die sexuellen Regungen, also die verschiedenen Triebe usf.

Dabei ist das zentrale Nervensystem in gewisser Hinsicht sowohl in Teilbereichen wie auch im gesamten ein Analysator und in anderer Hinsicht ein Integrator der die verschiedenen Funktionen leistet.

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(letzte Änderung 18.12.2017, abgelegt unter: Begriff, biologischer Begriff, medizinischer Begriff, neurologischer Begriff, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psychiatrie, Wissenschaft)

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