Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kant Zitat 12 – Verstand / Urteilskraft

Wenn der Verstand überhaupt als das Vermögen der Regeln erklärt wird, so ist Urteilskraft das Vermögen, unter Regeln zu subsumieren, d.i. zu unterscheiden, ob etwas unter einer Regel gegeben (casus datae legis) stehe, oder nicht. …….

….so zeigt sich, dass zwar der Verstand einer Belehrung und Ausrüstung durch Regeln fähig, Urteilskraft aber ein besonderes Talent sei, welches gar nicht belehrt, sondern nur geübt sein will. …….

……. Ein Arzt daher, ein Richter, oder ein Staatskundiger kann viel schöne pathologische, juristische oder politische Regeln im Kopfe haben, in dem Grade, daß er selbst darin gründlicher Lehrer werden kann, und wird dennoch in der Anwendung derselben leicht verstoßen, entweder, weil es ihm an natürlicher Urteilskraft (obgleich nicht am Verstande) mangelt, und er zwar das Allgemeine in abstracto einsehen, aber ob ein Fall in concreto darunter gehöre, nicht unterscheiden kann, oder auch darum, weil er nicht genug durch Beispiele und wirkliche Geschäfte zu diesem Urteile abgerichtet worden. Diese ist auch der einige und große Nutzen der Beispiele: daß sie die Urteilskraft schärfen.“

(Ende des Zitats)

Zitat aus Band III, Gesammelte Werke, Immanuel Kant: “Kritik der reinen Vernunft” ( VON DER TRANSZENDENTALEN URTEILSKRAFT ÜBERHAUPT, Seite 184 und 185), Suhrkamp Taschenbuchausgabe, herausgegeben von Wilhelm Weischedel, 1. Auflage 1974, ISBN  3-538-27653-7

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Anmerkung zum Zitat: Es entspricht die Urteilskraft also dem Kritikvermögen bzw. dem Urteilsvermögen.

Und es beruht demgemäß auch die Kritikfähigkeit auf der Urteilskraft bzw. dem Urteilsvermögen. Dabei entsteht die Urteilskraft der Person auf Grundlage ihres Verstandes und ihrer Vernunft.

Biologisch betrachtet bzw. aus der Sicht des Nervensystems betrachtet, kann man sagen, dass die Urteilskraft infolge der geistigen Analyse und Synthese entsteht, wie diese durch den mentalen Prozess in den neuronalen Netzwerken des Gehirn durch die Analysatoren entstehen (vgl. mit Pawlow Zitat).

Es spielen hier also die Analysatoren eine entscheidende Rolle. Man kann auch sagen, die Kritikfähigkeit bzw. das Kritikvermögen ergibt sich aus der Fähigkeit durch die neuronale Funktion dem Sachverhalt entsprechend angemessene neuronale Muster zu bilden und diese in Verbindung mit dem Gedächtnis durch das Denken zu prüfen/zu unterscheiden um schließlich ein persönliches Urteil zu bilden.

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(letzte Änderung 06.03.2020, abgelegt unter: Biologie, Nervensystem, Philosophie, Urteil, Vernunft, Verstehen, Zitate)

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