theoretisches Bedenken und praktisches Tun

Theoretisches Bedenken und praktisches Tun sind zweierlei Dinge.

Dazu ein paar neurophysiologische Überlegungen.

Theorie ist eine Sache – Praxis ist eine andere Sache.

Wenn jemand eine Sache bedenkt, so sind vorallem frontale Gehirnareale aktiv. Wenn jemand etwas tut, dann sind vor allem die Gehirnregionen aktiv, in denen die entsprechenden Effektor-Organe repräsentiert sind, also beispielsweise die motorischen Areale von denen aus die Bewegungsmuster für die Arme und Hände gesteuert werden usf.

Wenn wir uns vorstellen in einem Schwimmbad zu schwimmen, so sind im Gehirn andere Nervenzellen aktiv, wie wenn wir tatsächlich ins kühle Naß eintauchen und schwimmen. Man sieht also, dass es rein neurophysiologisch gesehen einen großen Unterschied ausmacht, ob man etwas „nur bedenkt“ oder ob man etwas „praktisch tut“ – je nach dem sind andere Nervenzellen bzw. Gehirnregionen mehr aktiv bzw. werden damit andere Nervenzellen aktiviert und trainiert.

Demgemäß erkennt man, warum das praktische Training, die Aktivität für unser Gehirn so wichtig ist um Funktionen zu erlernen und zu trainieren. Mit anderen Worten: durch das praktische Tun erlernen wir einerseits die neuronalen Abläufe respektive entwickeln wir dadurch die neuronalen Muster durch die Praxis und Übung. Sehr schön kann man den Unterschied sehen – oder noch besser erleben – wenn man ein Musikinsturment zu spielen lernt. Für einen Anfänger ist es beispielsweise nicht leicht die verschiedenen Griffe beim Gitarre spielen zu betätigen, wogegen der „Geübte“ mit größerer Leichtigkeit und gar der „Profi“ mit Eleganz die Sache leisten kann. Dies ist ihm möglich, weil die entsprechenden neuronalen Muster auf Gehirn- und Rückenmarksebene und natürlich auch auf der Ebene der Muskelaktivität sehr gut entwickelt und mit Leichtigkeit in Gang gesetzt werden können.

Im Fall einer Gehirnverletzung kann es sein, dass frühere Funktionen in der Zeit nach dem Unfall primär weitgehend verloren gegangen sind und kann die Person sodann erst durch Übung und Bemühung gewisse Fertigkeiten wieder erlangen. Wie man leicht einsehen kann, wird je nach Ausmaß der Gehirnverletzung, natürlich nicht mehr dieselbe Fähigkeit und Fertigkeit wie früher erlangt.

Auch nach Phasen der Inaktivität macht man die Erfahrung, dass es einige Zeit benötigt, bis man wieder in Übung ist. Beispielsweise wenn man aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz zurückkehrt, braucht es einige Zeit bis man wieder „drin“ ist. Wenn man am Beginn der Wintersaison das erste Mal wieder auf den Schiern steht, bemerkt man, dass einige „Auffrischung“ nötig ist, bis die früher gekonnten „Schwünge“ wieder mit gleicher Leichtigkeit möglich sind.

Hier gilt der Spruch: „Wer rastet der rostet“ – bzw. sollte jede Aktivität fortlaufend geübt / praktiziert werden damit sie nicht „verloren geht“.

Die Theorie allein vermag also wenig, wenn gleich sie natürlich zur Motivation und zur Vorbereitung der Handlung wichtig ist. Entscheidend ist die Handlung, das praktische Tun. Denn nur das praktische Tun geht auch mit der entsprechenden neuronalen Aktivität einher.

Damit wird klar, wie wichtig die wiederholte Handlung – die Übung ist. Daher der Spruch: „Übung macht den Meister„.

Durch das wiederholte Tun werden die Nervenzellen immer wieder in der entsprechenden Art und Weise aktiviert und es führt dies dann zur entsprechenden neuronalen „Bahnung“.

Umgekehrt führt Inaktivität dazu, dass neuronale Muster „verblassen“ und nicht mehr so leicht durchlaufen werden können.

Was allerdings früher einmal gekonnt wurde, kann relativ leicht wieder „reaktiviert“ werden.

Man hat herausgefunden, dass Nervenzellen, welche häufig aktiv sind, bessere synaptische Verbindungen mit den Nervenzellen ausbilden und damit die leichtere „Bahnung“ entsteht.

Diese Verbesserung der neuronalen Verbindung korreliert also mit der größeren Fertigkeit, wie sie durch die Aktivität und Übung erlangt wird.

Dies gilt natürlich auch in Bezug auf „geistige Handlungen“- in Bezug auf Überlegungen und Denkabläufe. Wer etwas öfters bedenkt, wer sich über eine Sache im Vorhinein Gedanken macht – die Sache bedenkt – hin und her überlegt – wird,  wenn konkret ein Handlungsbedarf in dieser Richtung gegeben ist – eine anstehende Aufgabe schneller und besser lösen können, als Derjenige, der solche Überlegungen im Vorfeld nicht angestellt hat. Man erkennt, damit dass das Denken sich trainieren lässt bzw. umgekehrt die Denkfaulheit sich rächt wenn man sich zum Beispiel nur noch des Computers (Internets) bedient, um nach einer Lösung zu suchen.

Evidenterweise ist es auch so, dass dies natürlich auch in Bezug auf unerwünschte neuronale Funktionen gilt. Jemand der sich sehr leicht ängstigt, wird leichter in Angst versetzt als derjenige, der in dieser Hinsicht nicht so leicht stimulierbar ist. Oder jemand der ein Alkoholproblem gehabt hat und nun die Abstinenz geschafft hat wird, sehr schnell wieder den Kontrollverlust erleiden, wenn er wieder Alkohol zu trinken beginnt. Daher kann sich eine Person, die die Abstinenz geschafft hat es sich nicht „leisten“ ein Gläschen Wein zu trinken oder mit Genuss eine Likörpraline zu essen – nicht, weil die kleine Alkoholmenge an sich für sie gesundheitsschädlich ist, sondern weil der „Wieder-Genuß“ von Alkohol vorhersehbar sehr schnell einen Rückfall – durch die Reaktivierung der früher gelernten neuronalen Muster –  in das Suchtverhalten bewirken wird.

Gewisse „Dinge“ müssen also gewisse Personen gezielt vermeiden, um nicht wieder in alte Muster hineinzugeraten, wogegen andererseits gewisse Dinge geübt und praktiziert werden sollen damit die Fertigkeit und damit auch die Stabilität und Sicherheit zunimmt.

Im Anschluß an das oben Gesagte wird also Derjenige, der sich schon im Vorhinein mit einer gewissen Frage beschäftigt hat, auf dieselbe besser und prompter antworten können als derjenige der sich mit diesem Thema noch nicht beschäftigt hat. Es lohnt sich also, über gewisse Dinge im Vorhinein sich Gedanken zu machen – und über andere nicht – zum Beispiel sich vor Dingen nicht heute schon zu ängstigen wenn diese erst in Zukunft oder überhaupt nicht eintreten werden.

Abschließend kann man also sagen, dass es sich lohnt in gewisser Hinsicht aktiv zu sein und in anderer Hinsicht lohnt es sich passiv zu sein.

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(letzte Änderung 9.7.2016, abgelegt unter Diverses, Sucht, Psychiatrie, Psychologie)

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