Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Wesen

Das Wesen eines Lebewesens wird durch seine Eigenheiten gebildet.

Erkenntnistheoretisch betrachtet kann man kann sagen: das Wesen einer Person wird durch einen gewissen Typus repräsentiert, wie er als Folge dieser Eigenheiten im Bewusstsein einer anderen Person erscheint, wenn diese Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man kann auch sagen, dass durch den Begriff des Wesens die typischen Merkmale der Person durch diese systematische Einheit erkannt werden (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es ist dies also ein projektierte Einheit – oder man kann auch sagen eine zweckmäßige Einheit im Sinne von Immanuel Kant von der man denkt, dass es sie tatsächlich als abgegrenzte Einheit gibt.

Psychologisch betrachtet ist das Wesen die Art und Weise wie ein Lebewesen sich in psychischer Hinsicht präsentiert.

Demgemäß zeigt das Wesen in Bezug auf den Menschen die elementaren Eigenheiten der Psyche dieser Person.

Und man kann daher auch sagen: das Wesen bezeichnet die Art und Weise wie dieser Mensch als Lebewesen ist. Es bezeichnet den Menschen in psychischer Hinsicht: etwa wie er empfindet, wie er fühlt, wie er denkt, wie er üblicherweise reagiert und handelt.

In der PsychologiePsychiatrie und Psychotherapie beschreibt man durch das Wesen einer Person wie sie die Dinge erlebt, erleidet, wie sie auf Erlebnisse reagiert, welche sie besonders beeindrucken, welche sie bevorzugt erinnert, welche ihr wichtig und wesentlich sind usf.

Unter dem Wesen einer Person bzw. unter der Wesenart einer Person versteht man also letztlich die Individualtität besonders in psychischer Hinsicht. Die Art und Weise wie eine Person ist, wie sie denkt, wie sie fühlt, wie sie handelt, wie sie veranlagt ist usf.

Bekanntlich gibt es unter den Menschen große Unterschiede im Wesen und damit in der Wesensart.

Die Ausbildung des Wesens wird zum Teil durch die Anlage und zum Teil durch die Entwicklung bestimmt. Damit ist gemeint, dass gemäß der Erbanlage, also gemäß der Gene sich eine gewisse körperliche Entwicklung ergibt wobei hier vor allem die Entwicklung des zentralen Nervensystems von vorrangiger Bedeutung ist. Zum anderen Teil ergibt sich die Ausformung des Wesens als Folge der Entwicklung, als Folge der äußeren Einflüsse und Reize, also als Folge der Erlebnisse, der Prägung, der Aktivität, der Förderung usf.

Als Folge der Gene ergibt sich das  Wachstum der Zellen und der Organe, die äußere Ausformung der Organe und auch die innere Ausformung der Organe, womit der Aufbau der inneren Struktur der Organe gemeint ist. Gerade diese innere und äußere Ausformung der Organe bestimmt wesentlich die Eigenheiten der Organe und im Ganzen die Ausformung des Organismus. Man kann sich damit erklären, warum z.B. viele Familienmitglieder einer Familie musikalisch sind, gute Turner sind usf. oder in Bezug auf gesundheitliche Störungen in manchen Familien relativ viele Mitglieder Magenstörungen entwickeln, in anderen Familien bevorzugt eine Neigung zu Kopfschmerzen vorhanden ist, eine Neigung zur Entwicklung von Übergewicht, zur Kurzsichtigkeit, eine Neigung zum übermäßigen Alkoholkonsum vorhanden ist usf.

Daher kann man berechtigt sagen, dass jeder Mensch irgendwo eine (oder mehrere)  „Schwachstellen“ hat. Man ist daher gut beraten wenn man diese persönliche Schwachstelle kennt um darauf zu achten, dass man in diesem Bereich den Bogen nicht „überspannt“. Man soll also diese persönlichen Schwächen, die sich auch in einer Organschwäche manifestieren kennen, beachten und berücksichtigen.

Mit anderen Worten: Man sollte daher aus der Erfahrung, wie man sie im Laufe der Lebens gemacht hat lernen und sich nicht unbedingt alles zumuten was andere sich zumuten – denn es kann eben sein, dass man in gewissen Bereichen weniger aushält als andere aushalten können. Wichtig ist, dass man sich selbst versteht und auf die persönlichen Eigenheiten – und dazu gehören auch die persönlichen „Schwachstellen“ Rücksicht nimmt. So wie man seine Stärken kennnen soll, so soll man auch seine Schwächen kennen.

Vom Philosophen Karl Jaspers stammt der Spruch: „Man muß krank sein um alt zu werden.“ Bekanntlich hat Karl Jaspers schon im jungen Erwachsenenalter unter einer anlagebedingten Lungenerkrankung gelitten und er war dadurch gezwungen sehr auf diese Gegebenheit Rücksicht zu nehmen und angehalten seine Lebensführung danach zu richten. Tatsächlich hat er wahrscheinlich nicht zuletzt in Folge dieser Berücksichtigung trotz seiner Krankheit ein hohes Alter erreicht.

Nochmals zum Feinaufbau der Organe:

Insbesondere der Feinaufbau des Nervensystems, die Verbindungen der Nervenzellen untereinander bestimmt wesentlich die Eigenheiten der Person. Damit kann man sich erklären warum z.B. manche Personen musikalischer sind als andere, warum manch eine Person ein besseres Zahlengedächtnis hat als eine andere usf. Auch bezüglich des Ansprechens auf Sinnesreize gibt es bekanntlich große Unterschiede. Die meisten Menschen sprechen stark auf optische Sinneseindrücke an, andere stärker auf akutstische, auf Gerüche usf. Als Folge dieser persönlichen Eigenheiten die sicherlich mit körperlichen, morphologischen Eigenheiten im Nervensystem korrelieren kann man sich erklären, warum manche Menschen schneller reagieren können als andere, warum manche besser gleichzeitig mehrere Dinge nebeneinander erledigen können, während andere dadurch überfordert sind usf. Bekanntlich sind Frauen viel besser in der Lage mit verschiedenen Reizen gleichzeitig fertig zu werden als Männer. Es gibt also auch geschlechtlich determiniert große Unterschiede im Wesen.

Darüber hinaus sind natürlich auch noch andere Einflüsse, die Betätigung in den einzelnen Funktionen, das Training und damit die Erziehung, die Lebensumstände und sonstige Einfüsse von Bedeutung.

Die eigentliche Wesensart ist jedoch sicherlich weitgehend durch die Erbanlage und die damit bestimmte Beschaffenheit der Organe bestimmt.

Wie man also leicht einsehen kann, bestimmt gerade der Feinaufbau der einzelnen Organe und Organsysteme, das heißt der Aufbau des Organismus, sehr wesentlich diese Eigenheiten und damit auch die einzelnen Organfunktionen.

Wie man einsehen kann ist daher das Wesen einer Person etwas relativ Konstantes. Dies merkt man daran, dass man gewisse Anlagen und Eigenheiten rückblickend bei einer Person schon in deren frühen Kindheit beobachten konnte.

Eine andere Sache ist, dass auch die Einflüsse, die von der Person gewählten werden und die von außen auf die Person einwirkenden von großer Bedeutung sind. Schießlich ist es auch entscheidend welche Angewohnheiten eine Person entwickelt (vergleiche mit dem Beitrag: Lernen -Neuroplastizität).

Daher der treffende Ausspruch des Psychiaters und Philosophen Karl Jaspers: „Der Mensch ist sich gegeben und aufgegeben“, womit einerseits der Anteil der Anlage (Erbanlage) gemeint ist und andererseits der Anteil den der Mensch aus Freiheit gestalten kann. Dies gilt zumindest für den erwachsenen Menschen weitgehend. Erwachsene Menschen können in der Regel unter den gegebenen Möglichkeiten wählen und entscheiden was sie tun, was ein Kind naturgegeben und durch die Umstände bestimmt nicht bzw. noch nicht in diesem Ausmaß kann. Mit dem zweiten Teil appelliert Karl Jaspers also an die Freiheit des Menschen seine Chanchen zu nützen. (siehe dazu auch das Kant Zitat 11)

Es ist also so, dass die anlagegemäßen Eigenheiten sich im Laufe des Lebens noch weiter ausformen und entwickeln. Wenn von Psychotherapie die Rede ist, so ist damit gemeint, dass durch entsprechende therapeutische Unternehmungen das Eine und Andere im Rahmen der Therapie gefördert und entwickelt werden kann, was die Person auf sich gestellt (ohne die Therapie) unter Umständen nicht entwickeln könnte.

Geht man davon aus, dass die Grundgegebenheiten zum Teil organgebunden sind, so kann man bis zu einem gewissen Grad die mögliche Entwicklung abschätzen. Zum Beispiel in Bezug auf die mögliche Entwicklung der Muskular durch Fittnesstraining. In Bezug auf die geistige Entwicklung sind naturgemäß keine so engen Grenzen gesetzt wie in Bezug auf körperliche Eigenheiten, jedoch auch hier ergeben sich die Möglichkeiten aus den Anlagen und der Förderung bzw. der Entwicklung.

Das Wesen einer Person wird also einerseits durch die körperlichen Eigenheiten bestimmt und andereseits durch die psychischen Eigenheiten.

Unter dem Begriff „Wesen“ werden diese Eigenheiten (geistig) aufgefasst.

Abschließend kann man im Hinblick auf die Grundlage des Wissens in Bezug auf das Wesen einer Person und damit philosophisch betrachtet festhalten. dass es sich beim Begriff „Wesen“ um den Begriff einer Idee, und zwar um den Begriff einer bloßen Idee  handelt. Man kann auch sagen: dieser Begriff ist ein regulativer Begriff im Sinne von Immanuel Kant, weil er den Zusammenhang von gewissen Eigenheiten aufzeigt und „regelt“.

.

(letzte Änderung 22.6.2019, abgelegt unter: Definition, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, psychologischer Begriff)

……………………………………………….

weiter zum blog: psychologischer Begriff

…………………………………………………

weiter zum Beitrag: über die Entwicklung des Wesens

……………………………………………….

weiter zum Beitrag: Denken

………………………………………………..

weiter zum Beitrag: Fühlen

…………………………………………………

weiter zum blog: Verstehen

………………………………………………..

weiter zur Seite: Informationen / Links

………………………………………………..

weiter zur Seite Home

…………………………………………….

Antiloop GmbH / bechtold.at.