Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

zur Entstehung der diagnostischen Kategorie „Schizophrenie“

Der Psychiater Eugen Bleuler war Chefarzt der psychiatrischen Klinik „Burghölzli“ in Zürich. Damit überblickte Bleuler eine große Anzahl von Patienten und gelangte er auf der Grundlage seiner Beobachtungen (vergleiche mit dem Griesinger Zitat: „… der Übereinstimmung sehr vieler Fälle in gewissen charakterischen Merkmalen“) zur hypothetischen Annahme, dass es unter den vorkommenden psychischen Krankheitszuständen eine eigenständige Einheit gibt, die er in weiterer Folge als „Schizophrenie“ bzw. als „Gruppe der Schizophrenien“ benannte (siehe Bleuler Zitat).

Damit hatte Eugen Bleuler eine neue psychiatrische Idee konzipiert. Ab nun war es möglich gewisse charakteristische psychische Symptomenkomplexe unter dieser systematischen Einheit auf der Grundlage der psychischen Anomalie (vergl. mit dem Griesinger Zitat) aufzufassen.

Wie man sich überzeugen kann, handelt es sich bei der psychiatrischen Idee Schizophrenie um eine „bloße Idee“ im Sinne Immanuel Kant. (vgl. auch mit dem Jaspers Zitat)

Der Sohn von Eugen Bleuler, Manfred Bleuler, der seinem Vater als Psychiater und Klinikleiter nachfolgte, beschreibt in einer späteren Auflage des „Bleuler-Lehrbuchs“ wie sein Vater zur Schaffung des Begriffs „Schizophrenie“ gelangt ist. (siehe Bleuler Zitat)

Aus dem „Bleuler Zitat“ ist ersichtlich, wie Eugen Bleuler vorerst von einer hypothetischen Annahme ausging, und sodann, nachdem er seine Annahme durch seine Erfahrungen bestätigt fand, die Existenz einer solchen Einheit (bzw. einer Gruppe solcher Einheiten) als erwiesen ansah.

Diese neue Einheit fand alsbald in der Fachwelt allgemeine Anerkennung und hat diese neue Einheit alsbald die früher von Emil Kraepelin eingeführte Einheit „Dementia praecox“ abgelöst.

Über den Gebrauch einer psychologischen Idee schreibt Immanuel Kant folgendes:

Aus einer solchen psychologischen Idee kann nun nichts anderes als Vorteil entspringen, wenn man sich nur hütet, sie für etwas mehr als bloße Idee, d.i. bloß relativistisch auf den systematischen Vernunftgebrauch in Ansehung der Erscheinungen unserer Seele, gelten zu lassen.“ (vergleiche Kant Zitat 4)

Tatsächlich ist in diesem Sinn die psychiatrische Idee Schizophrenie sehr nützlich wenn man diese Idee bzw. diese Einheit  relativistisch verwendet. Man sollte also nicht vergessen und außer Acht lassen auf welcher Erkenntnisbasis eine solche Einheit entstanden ist und weiterhin steht. Mit anderen Worten man sollte nicht vergessen, dass es sich bei der Einheit Schizophrenie um ein psychiatrisches Konzept handelt, das als hypothetisches Konzept entstanden ist und weiterhin als solches in Verwendung ist!

Missversteht man die psychiatrische Einheit Schizophrenie und sieht man diese Einheit als eine Einheit an, die man objektiv bestimmen kann (vgl. mit Kant Zitat 7) dann  gerät man umgehend Widersprüche (Antinomien) wie dies Karl Jaspers erkannt hat. (vgl. mit Jaspers Zitat)

 

(letztes update 17.6.2011)

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