Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Erschöpfungs-Depression – biologische Erklärung

Bekanntlich basiert die Aktivität des Gehirns auf der Aktivität der einzelnen Nervenzellen.

Über die Sinnesorgane gelangen Informationen über die Nervenbahnen ins Gehirn. Im Nervensystem und insbesondere im Gehirn werden die einlangenden Nervenzell-Impulse durch die Neurotransmitter (Botenstoffe) über die Synapsen hinweg von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergeleitet und weiter verarbeitet.

Das Gehirn ist fähig auch intern Nervenzell-Impulse zu generieren – ohne, dass von außen über die Sinnesorgane eine Stimulation erfolgt. Dies ist beispielsweise im Nachtschlaf der Fall wenn jemand träumt, oder unter Tags wenn jemand eine Überlegung anstellt, oder wenn jemand sich Sorgen macht. In diesen Funktionszuständen spielt die Stimulation von außen eine untergeordnete Rolle. Eine Person, die sich Sorgen macht, ist zwar nicht in dem Sinne aktiv, dass sie produktiv eine Leistung vollbringt. Man kann jedoch leicht einsehen, dass „Das-sich-Sorgen- Machen“ viel neuronale Energie benötigt und zu einer psychischen Belastung und letztlich Überlastung führen kann.

Geht man davon aus, dass die einzelne Nervenzelle pro 24 Stunden nur eine beschränkte Menge an Botenstoffen erzeugen kann – und eine gewisse Menge an Botenstoffen pro Impulsübertragung verbraucht wird, so kann man sich auch vorstellen, dass irgendwann ein Überlastungszustand eintritt. Wenn also in Folge der übermäßigen Aktivität in Relation zur Erholung nicht mehr genügend Botenstoffe in Teilbereichen des Nervensystems für die Impulsübertragung zur Verfügung stehen kommt es zur nervlichen Erschöpfung, die sich klinisch im Erscheinungsbild einer Depression , in der Form eine Burnout, oder in der Form einer sonstigen Störung manifestiert.

Das heißt, es tritt sodann ein Botenstoff-Mangelzustand in diesem Bereich des Nervensystems auf.

Es ist also so, wie mit einer Haushaltskassa. Wenn jemand für die Aufwendungen im Haushalt mehr aus der Kassa im Laufe des Monat herausnimmt als er in die Kassa hinein gibt wird eine „Minus-Situation“ entstehen.

So ähnlich kann man sich eine energetische „Minus-Situation“ im Nervensystem, in Bezug auf die neuronale Funktionsfähigkeit vorstellen wenn sich ein nervlicher Erschöpfungszustand bzw. eine depressive Störung entwickelt.

Je nach dem, welche neuronalen Bereiche (Gehirnbereiche) mehr von dieser „Minus-Situation“ betroffen sind, treten entsprechend Störungen bzw. Symptome auf. Es können also Störungen in den Gehirnbereichen auftreten, die primär für die Gemütsfunktion zuständig sind, oder es können Störungen auftreten, die anderen Gehirnbereichen zuzuordnen sind. So können z.B. primär die Gemütsfunktionen betroffen sein oder primär die Denk-Funktionen betroffen sein. In diesem Fall wird man sich schlecht konzentrieren können, man wird sich Sachen schlecht merken können, also das Gedächtnis wird schlecht funktionieren, oder im vorgenannten Fall, wenn primär die Gemütsfunktion betroffen ist wird man bedrückt, pessimistisch, lustlos, antriebslos, ernergielos, ohne Perspektive usw. sein. Häufig sind verschiedene Funktionsbereiche gleichzeitig betroffen. Daher ist oftmals auch der Nachtschlaf gestört, der Appetit ist gestört, man hat zu wenig oder zu viel Appetit, die sexuellen Funktionen sind beeinträchtigt und häufig sind auch sonstige körperliche Funktionen beeinträchtigt, es kommt zur Verstopfung (Obstipation) zu gestörten Organfunktionen, zu nervösem Magen und zu Darmbeschwerden, es treten verstärkte Hautreaktionen, z.B. übermäßiges Schwitzen auf usf.

Bei manchen Personen steht also nicht so sehr eine Gemütsdepression im Vordergrund, sondern sind andere Funktionen und damit andere Funktionsstörungen betroffen. Es sind in diesen Fällen also andere neuronale Funktionsbereiche stärker betroffen. Je nach dem, welche Funktionsbereiche primär beeinträchtig sind ergeben sich demgemäß die entsprechenden Störungen bzw. Symptome.

Die Erfahrung lehrt, dass die Menschen unterschiedlich sind.

Das heißt, auf gleiche Belastungen reagieren die Menschen verschieden. Manch eine Person toleriert eine gewisse Belastung ohne die Entwicklung einer Störung, bei einer anderen Person kommt es zur Überforderung und es treten Symptome bzw. Störungen auf.

Auch ist es so, dass nicht jeder Mensch die gleiche „Schwachstelle“ hat.

Manch einer neigt bei Überlastung zu vermehrtem Auftreten von Kopfschmerzen, manch einer zu Verspannungen der Schulter-Halsmuskulatur, bei einer dritten Person treten bevorzugt in Folge der Überlastung Gemütsstörungen usf.

Manch eine Person entwickelt also eine Erschöpfung mit vorwiegend körperlichen Symptomen und bei einer anderen Person treten vorwiegend psychische Symptome auf.

Auch lehrt die Erfahrung, dass derartige neuronale Funktionsstörungen – im Sinne von verminderter neuronaler Impulsübertragungsleistung – bei manchen Personen ohne erkennbare äußere Ursache auftreten können.

Bekannt ist, dass es häufig zu einem nervlichen Leistungsabfall, typischerweise in der Herbst- Winterzeit kommt, wenn der höchste Sonnenstand im Sommer vorüber ist, wenn die Tage wieder kürzer werden. Es spielen hierbei also auch andere Faktoren, die Jahresrhythmik, anlagemäßige (konstitutionelle) Faktoren etc. eine Rolle, und nicht nur die Belastungssituation.

Egal, welche Ursache bzw. welches Bündel an Faktoren einer Ursache im einzelnen Fall zum nervlichen Leistungsabfall geführt hat – wenn dieser ein gewisses Ausmaß erlangt hat – so treten klinische Symptome und damit Beschwerden auf.

Die häufigsten Ursachen für Erschöpfungszustände sind chronische Überlastungszustände.

Nervliche Überlastungszustände sind also häufig die Folge von zu langer und zu ausgeprägter nervlicher Belastung – bei gleichzeitig zu geringer nervlicher Entspannung und Erholung gekennzeichnet. Wenn also die Spannung und die Entspannung nicht mehr angemessen stattfinden kommt es zur Überlastung.

Bei einer kurzzeitigen Belastung haben wir zwar die Möglichkeit durch die natürliche  Stressreaktion uns anzupassen und können wir dadurch die Belastung vorerst kompensieren, wenn die Belastung jedoch zu lange andauert, dann kommt es zur Erschöpfung. Die chronische Stressreaktion führt also häufig zur nervlichen Erschöpfung und kommt es damit zum klinischen Erscheinungsbild das primär als Depression diagnostiziert wird, oder heut zu Tage oftmals gleich als Burnout diagnostiziert wird.

Wie man leicht einsehen kann wird es auf Dauer nicht möglich sein durch Energy-Drinks und andere anregende Mittel auf  Dauer die Leistung zu steigern, sondern können dadurch nur kurzzeitig die Energiereserven mobilisiert werden, was dann allerdings umso schneller zur Erschöpfung führt.

Weiteres zu diesem Thema finden Sie in den Beiträgen:

Depressionen,

Burnout und Neuroplastizität.

Burnout – psychische Erklärung

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(letztes update, 18.8.2012, abgel. unter Depression)

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